Heute auf dem Heimweg mit der Bahn:
Ein Junge, vielleicht 7 oder 8, stieg mit seiner Mama ein. Sie war sichtbar gestresst, hatte drei Tüten in der Hand, versuchte, ihn im Blick zu behalten, während sie gleichzeitig telefonierte. Der Junge setzte sich neben mich, packte ein kleines, abgegriffenes Dinosaurier-Buch aus und blätterte darin.
Irgendwann schaute er mich an und meinte: "Weißt du, dass der Brachiosaurus 13 Meter hoch war? Das ist höher als unser Haus." Ich musste lachen. Er hat mich dann durch das ganze Buch geführt. Seine Mama war kurz davor, sich zu entschuldigen, doch ich hab nur gesagt: "Ich hab lange nicht so viel gelernt auf dem Nachhauseweg."
Als sie ausstieg, hat der Kleine mir noch zugeflüstert: "Danke, dass du zu zugehört hast. Die meisten Großen hören gar nicht zu." Das ging tiefer, als es sollte.
Pan-Am-Flug 73 wird entführt. An Bord: Neerja Bhanot, gerade einmal 22 Jahre alt, Flugbegleiterin mit klarem Kopf und mutigem Herzen.
Die Entführer ermorden noch im ersten Moment einen indisch-amerikanischen Passagier und werfen seine Leiche auf das Rollfeld. Dann zwingen sie Neerja, alle Pässe einzusammeln – sie wollen gezielt amerikanische Staatsbürger herausfiltern.
Doch Neerja widersetzt sich still: Sie versteckt 43 amerikanische Pässe, schiebt manche unter die Sitze, wirft andere heimlich weg – und rettet so Leben, ohne dass jemand es merkt. Nach 17 Stunden Geiselnahme explodiert das Chaos. Schüsse. Rauch. Panik. Doch Neerja läuft nicht davon. Sie reißt die Notausgänge auf – und beginnt, Menschen zu evakuieren. Sie stirbt, während sie drei amerikanische Kinder mit ihrem eigenen Körper schützt – getroffen von Kugeln, aber standhaft bis zum letzten Atemzug. Eines der geretteten Kinder war damals sieben Jahre alt. Heute ist er Kapitän einer großen Fluggesellschaft – und nennt Neerja seine größte Inspiration. Ihr Mut lebt weiter – in jenen, die durch sie leben durften.