Gehen drei Jäger in den Wald. Sie schließen eine Wette ab: Der es schafft, das größte Tier zu erlegen, gewinnt. Der erste Jäger zieht allein los und kommt nach einer Stunde mit einem prachtvollen Fuchs zurück. „Wo hast du den denn her?" - „Ganz einfach: Ich habe mich vor den Bau gehockt, ich habe gefaucht, dann hat es zurückgefaucht, dann habe ich geschossen - und schon hatte ich ihn." Da zieht der zweite Jäger los. Nach einer Stunde kommt er mit einem stattlichen Bären zurück. „Wie hast du den denn bekommen?" - „Ich habe mich vor die Höhle gestellt, ich habe gebrüllt, es hat zurückgebrüllt, ich habe geschossen, da hatte ich ihn." Der dritte Jäger zieht los- und kommt nicht zurück. Zwei Tage später finden die beiden anderen Jäger ihn im örtlichen Krankenhaus. „Was ist denn passiert?" Antwortet er: „Ich habe eine Höhle gefunden. Ich habe gepfiffen, es hat zurückgepfiffen, also habe ich geschossen - und dann kam der Zug."
Winziger als eine Bleistiftspitze und trotzdem ein vollständig entwickeltes Lebewesen.
Ein ganzes Wirbeltierleben spielt sich an einem Ort ab, den die meisten Menschen niemals bewusst wahrnehmen.
Doch gerade diese extreme Kleinheit macht sie nicht nur schwer sichtbar. Sie verändert ihre gesamte Wirklichkeit.
Die Kürbis-Kröten aus dem Atlantischen Regenwald Brasiliens werden oft nicht einmal einen Zentimeter groß. In ihrer Welt ist der Waldboden keine glatte Fläche. Moos, Rindenstücke und selbst kleine Wassertropfen werden zu echten Hindernissen, die ihren Alltag formen.
Mit ihrer Größe gehen auch besondere Einschränkungen einher. Bei einigen Arten ist das Innenohr nicht vollständig entwickelt. Dadurch springen sie nicht kontrolliert und gezielt wie andere Frösche. Sie stoßen sich ab, überschlagen sich und landen oft eher zufällig dort, wo die Schwerkraft sie hinbringt. Selbst Bewegung funktioniert in dieser winzigen Dimension nach ganz eigenen Regeln.
Ihr leuchtendes Orange wirkt auf dem dunklen Laub fast unnatürlich auffällig. Und trotzdem bleiben sie fast unsichtbar, weil sich ihr ganzes Dasein in einem Bereich abspielt, über den Menschen meist achtlos hinweggehen.
Sie brauchen keinen großen Lebensraum. Für sie liegt alles, was zum Überleben nötig ist, auf engstem Raum beieinander: Nahrung, Schutz und ihr gesamtes kleines Universum.
Sie sind also nicht wirklich verborgen.
Wir sehen sie nur deshalb nicht, weil wir viel zu selten genau genug hinschauen.