Bei uns um die Ecke ist eine Pizzeria. Den Besitzer kenne ich schon, seit ich ein Kind bin - er ist einfach ein herzensguter Mensch. -
Mittlerweile wohne ich mit meinem Freund zusammen und nicht mehr in dem Viertel, in dem die Pizzeria ist. Mein Freund und ich hatten eine ziemliche Krise und ich brauchte einfach etwas Ablenkung und eine gute Pizza. Also bin ich hingefahren, habe mich in die Pizzeria gesetzt und mir eine Tonno bestellt. -
Der Besitzer stellte mir dann einen Wein (for free) auf den Tisch und sagte: "Die Pizza geht heute aufs Haus. Dir geht es nicht gut, Fiorella." - (Kleines Blümchen, so hat er mich schon als Kind genannt.) - "Und das sehe ich. Egal, was es ist, es wird schon wieder." -
Er zwinkert mir zu, legte seine Hand auf meine Schulter und ging wieder an die Arbeit. Und irgendwie hat es mir geholfen und er hatte recht. Es wurde wieder. Aber jetzt weiß ich, wohin ich komme, wenn es mir nicht gut geht.
Ich bin dankbar für solche Menschen.
Anfang der 1960er-Jahre, tief im Herzen des Kongobeckens, wurde ein Schimpanse geboren, der anders war als alle anderen. Man nannte ihn Oliver – und schon früh fiel auf: Er war nicht wie seine Artgenossen.
Während andere Schimpansen sich auf allen vieren bewegten, ging Oliver aufrecht. Nicht unsicher, nicht unbeholfen – sein Gang wirkte erstaunlich natürlich, fast menschlich. Es war, als hätte er nie anders gehen wollen. Dazu kamen seine ungewöhnlichen Gesichtszüge: flacheres Gesicht, kleinere Ohren, ein zurückgesetztes Kinn. Nichts an ihm wirkte "typisch Schimpanse".
Bald begannen Spekulationen: War Oliver ein Hybrid? Ein Mischwesen aus Mensch und Tier?
Diese Gerüchte verstärkten sich, als man bemerkte, dass er keinerlei Interesse an Schimpansinnen zeigte – stattdessen fühlte er sich offensichtlich mehr zu Menschen hingezogen, besonders zu Frauen.
Als er in den 1970ern in die USA kam, wurde Oliver zur Sensation. Fernsehauftritte, Wanderzirkusse, Schlagzeilen: "Der fehlende Zwischenschritt der Evolution?" – "Der Affenmensch?"
Wissenschaftler wollten es genau wissen. Man unterzog ihn Tests, analysierte Verhalten, isolierte Gene.
Das Ergebnis kam erst Jahrzehnte später: Oliver war kein Hybrid. Ein reiner Schimpanse – allerdings mit einer leicht abweichenden Chromosomenanzahl. Vielleicht eine genetische Laune. Vielleicht eine seltene Unterart.
Doch der Mythos blieb.
Oliver wurde zu einem Symbol für all das, was wir nicht verstehen – für die feine Linie zwischen Mensch und Tier, zwischen Wissen und Fantasie.
Er verbrachte seine letzten Jahre in einem Primatenrefugium in Texas. Noch immer aufrecht gehend, still beobachtend, mit einem Blick, der mehr Fragen stellte als beantwortete.
Seine Geschichte lebt weiter – als eine der rätselhaftesten Erzählungen der Wissenschaft.