Cocky Bennett war kein gewöhnlicher Kakadu.
Er war ein männlicher Gelbhaubenkakadu, der angeblich im Jahr 1796 geboren wurde und 1916 in Canterbury, New South Wales, starb. Wenn diese Angaben stimmen, wurde er unglaubliche 119 bis 120 Jahre alt – und wäre damit einer der ältesten Papageien, von denen je berichtet wurde.
Doch sein Alter war nicht das Einzige, was ihn berühmt machte.
Er soll 78 Jahre lang mit Captain Ellis auf See gewesen sein. Gemeinsam reisten sie durch die Inselwelt der Südsee, vielleicht sogar noch weiter um die Welt. Während andere Vögel ihr ganzes Leben in einem Käfig oder Garten verbrachten, sah Cocky Bennett Ozeane, fremde Häfen und Orte, die viele Menschen damals nur aus Geschichten kannten.
Nach dem Tod seines Kapitäns kam er später zu Charles Bennett und wurde im Sea Breeze Hotel am Tom Ugly’s Point zu einer kleinen Berühmtheit. Die Menschen kamen nicht nur, um einen alten Kakadu zu sehen, sondern ein lebendes Stück Vergangenheit.
Ein Vogel, der angeblich geboren wurde, als das 18. Jahrhundert noch nicht vorbei war – und starb, als die moderne Welt bereits begonnen hatte.
Man kann sich kaum vorstellen, wie viele Stimmen, Stürme, Schiffe und Menschenschicksale dieser Kakadu in seinem langen Leben gesehen haben könnte.
Eigentlich hätte ihn das eisige Wasser des Nordatlantiks innerhalb weniger Minuten töten müssen. In der Nacht des 15. April 1912 verschwand die Titanic im Atlantik, und für unzählige Menschen bedeutete das den sicheren Tod. Das Wasser lag bei etwa minus zwei Grad, so kalt, dass der Körper oft schon nach kurzer Zeit aufgab. Doch ein Mann überlebte auf fast unglaubliche Weise: Charles Joughin, der Chefbäcker des Schiffes.
Während um ihn herum Panik ausbrach, blieb Joughin erstaunlich ruhig. Statt nur an sich selbst zu denken, kümmerte er sich zunächst weiter um andere. Er ließ seine Mitarbeiter mehr als zwanzig Brote zu den Rettungsbooten bringen, damit die Überlebenden wenigstens etwas zu essen hätten. Danach half er noch dabei, Frauen und Kinder in die Boote zu bringen.
Obwohl ihm selbst später ein Platz in einem Rettungsboot angeboten wurde, lehnte er ab. Für ihn wäre es falsch gewesen, sich selbst in Sicherheit zu bringen, solange noch so viele andere Menschen an Bord um ihr Leben kämpften. Als das Ende immer näher rückte, ging er noch einmal in seine Kabine, nahm sich etwas zu trinken und stellte sich dann dem Unvermeidlichen auf seine ganz eigene Art.
Doch selbst in diesen letzten Momenten blieb er nicht untätig. Er warf zahlreiche Liegestühle und andere schwimmfähige Gegenstände ins Wasser, damit Menschen in der eisigen See vielleicht irgendetwas hatten, woran sie sich festhalten konnten. Als die Titanic schließlich endgültig unterging, gehörte Joughin zu den allerletzten Menschen an Bord. Später beschrieb er den Moment fast unvorstellbar nüchtern, als wäre er einfach von einer Bordkante hinuntergestiegen.
Was dann folgte, klingt bis heute kaum glaubwürdig: Er trieb lange Zeit im eiskalten Wasser, während um ihn herum viele andere starben. Irgendwann entdeckte er eines der umgedrehten Faltboote, an dem sich bereits Männer festhielten. Weil dort kein Platz mehr war, blieb er einfach daneben im Wasser, bis ihm schließlich geholfen wurde und Rettung kam.
Als er später aufgenommen wurde, konnte er sich noch selbstständig bewegen. Berichtet wurde, dass er erstaunlich glimpflich davongekommen war. Charles Joughin lebte noch viele Jahrzehnte nach dieser Nacht weiter und starb erst 1956.
Seine Geschichte ist deshalb so außergewöhnlich, weil sie nicht nur von Überleben erzählt, sondern auch von Haltung. Während um ihn herum alles zusammenbrach, dachte er bis zuletzt an andere. Genau das macht ihn bis heute zu einer der bemerkenswertesten Figuren der Titanic-Katastrophe.