Ich bin ein Hund des 21. Jahrhunderts.
Ich sehe gut aus, ich bin aufmerksam, intelligent, treu. Man nennt mich Familienhund, Sofahund, Begleiter.
Aber tief in mir lebt noch immer der Hund, der über Generationen gezüchtet wurde, um zu arbeiten, zu jagen, zu beschützen, zu führen. Ich trage das Erbe meiner Vorfahren in mir – mit all den Instinkten, die dazugehören.
Viele Menschen holen sich Hunde wie mich, weil ihnen mein Aussehen gefällt. Meine blauen Augen, mein glänzendes Fell, meine süße Schnauze. Doch sie vergessen, was in mir steckt – was ich wirklich brauche.
Man holt mich ins Haus, und dann soll ich ruhig sein. Ich soll mich mit einem kurzen Gassigang am Morgen zufriedengeben und danach acht bis zehn Stunden allein bleiben – ohne Aufgabe, ohne Kontakt, ohne Bewegung.
Wenn du abends nach Hause kommst, sehe ich dich nur für eine kurze Zeit. Mein Tag war leer, still und einsam. Und während du glaubst, ich habe es gemütlich, war ich innerlich unruhig, gelangweilt, frustriert.
Vielleicht belle ich, vielleicht zerstöre ich Dinge, vielleicht mache ich in die Wohnung. Vielleicht sitze ich einfach nur still da – traurig, apathisch, gebrochen.
Du meinst es gut. Aber du verstehst mich nicht.
Ich bin kein Stofftier. Ich bin kein Deko-Objekt. Ich bin ein lebendes Wesen mit Bedürfnissen. Ich will rennen, lernen, erleben, schnüffeln, graben, arbeiten. Ich will Teil deiner Welt sein – aktiv. Ich will nicht einfach „funktionieren“, ich will leben.
Wenn du mich wirklich liebst – dann denk gut nach, bevor du mich in dein Leben holst.
Wenn du mich nur wegen meines Aussehens willst, aber nicht bereit bist, meinen Charakter, mein Temperament und mein Erbe zu akzeptieren – dann tu es bitte nicht.
Ich bin ein Hund des 21. Jahrhunderts.
Aber in meinem Herzen lebt noch immer der Jäger, der Schlittenzieher, der Hütehund, der Kämpfer, der Helfer. Und alles, was ich mir wünsche, ist ein Leben, das diesem Wesen gerecht wird.
Denk gut nach – für mich. Und wenn du kannst: hol lieber zwei von uns. Damit wir nie ganz allein sind, wenn du weg bist. Denn deine acht Stunden Arbeit sind für mich eine Ewigkeit.
Videospiel-Senior.
Wahrscheinlich werden Sie sich über mein Schreiben ein wenig verwundert zeigen, denn ich bin ein 74jähriger Senior und trotzdem ein großer Nintendo-Freund. Ich residiere in einem Seniorenheim in Frankfurt und veranstalte ab und an ein F-Zero-Wettrennen mit anderen Senioren. Besonders die weiblichen Mitbewohner unseres Hauses sind am talentiertesten bei die-sem Rennspiel. Eine Dame, Jahrgang 1907, hält bei uns den Rekord und fegt alle von der Piste. Da müssen wir alten Herren ganz schön tief durchatmen. Ihr Magazin gefällt uns sehr, nicht zuletzt ob der fehlenden Reklame. Wir finden es auch lobenswert, daß die jüngere Generation außer der Bongo-Bongo-Musik so schöne Hobbies wie Videospiele hat. Das verbin-det Jung und Alt. Weiter sol Mit hochachtungsvollem Gruße aus Goethes Geburtsstadt -
Rudi Schmerbeck, Frankfurt
Sehr geehrter Herr Schmerbeck! Vielen Dank für Ihren Brief, über den wir natürlich sehr erstaunt waren, denn es kommt sicher nicht alle Tage vor, daß uns ein Nintendo-Fan Ihres Alters schreibt, aber warum auch nicht, denn für die Spiele gibt es keine Altersbe-grenzung. Deshalb wünscht Ihnen das gesamte Nintendo Team auch weiterhin viel Spaß beim Spielen.