Frisör: "Nehmen Sie Platz, der Herr. So wie immer?" Kunde mit angestrengter Miene: "Nicht zu kurz, bitte." Frisör: "Ja, ja, also wie immer." Kunde: "Sie schneiden mein Haar immer zu kurz." Frisör in den Spiegel schauend: "Aber mein Herr, Sie hatten doch noch nie Grund zur Klage." Kunde: "Doch, jedes Mal, immer zu kurz." Frisör fast singend: "Dann sagen Sie doch einfach, wie Sie es haben möchten." Kunde etwas lauter: "Sage ich ja, nicht zu kurz. Aber anscheinend hört mir hier niemand zu." Frisör kurz die Haare betrachtend: "Etwas länger als halblang und nicht zu kurz, so wollten Sie es doch immer haben!?" Kunde: "Ja, das sagen Sie jedes Mal, aber dann schneiden Sie alles wieder viel zu kurz." Frisör: "Etwa so wie hier?" Kunde etwas die Augen verdreht: "Nein, kürzer. Sonst brauchte ich doch gar nicht erst zu kommen." Frisör mit halblauter Stimme: "Also doch kurz!" Kunde mit Zeigefinger von unten nach oben bewegend: "Ja, schon, aber eben nicht alle, sondern nur die, die zu lang sind." Frisör etwas höflicher: "Und hier, wie möchten Sie es hier an den Ohren?" Kunde fast ungeduldig: "Wollen Sie mich jetzt bei jedem Haar einzeln fragen? Sie sind doch der Frisör, das muß doch insgesamt als Frisur aussehen!!" Frisör mit höherer Stimme: "Ich möchte, dass Sie zufrieden sind und wiederkommen." Kunde: "Dann schneiden Sie bitte die Haare nicht so kurz wie beim letzten Mal." Frisör interessiert: "Aber so wie sie sind, sind sie doch zu lang, oder?" Kunde leicht seufzend: "Teilweise, nicht alle. Manche sind eben erheblich länger zu lang als andere lange. Sagen Sie mal, sehen Sie das nicht?" Frisör verwirrend: "Doch, doch, natürlich. Eine Frage noch, soll ich die längeren langen gleich lang oder eher wie die mittleren langen halblang oder aber den längeren von den kurzen oder vielleicht doch lieber den mittelkurzen angleichen?" Kunde erleichtert: "Ja, genau!" Frisör kurz die Haare betrachtend: "Ääähm...." Kunde: "Was ist denn noch?" Frisör ratlos: "Nun weiß ich ehrlich gesagt überhaupt nicht mehr was Sie wollen."

Wer sich über mich ärgert, sollte immer bedenken, welche schlimme Kindheit ich hatte. Ich hatte kein Handy und kein Internet. Zur Schule und zurück musste ich zu Fuß. Ich wurde nicht tagtäglich mit dem Auto zur Schule gefahren und dort wieder abgeholt. Dies habe ich wohl nur mit viel Glück überlebt. Zum Spielen stand uns kein zehnfach TÜV-geprüfter Spielplatz zur Verfügung, wo unter der Schaukel eine Gummidämm- -matte war, damit wir uns auch ja nicht zu Tode stürzten, wenn wir zu blöd zum Schaukeln waren. Wir mussten im Feld spielen, zwischen Kühen, Stacheldrähten und Hecken, kletterten auf ungesicherte Bäume und wir liefen durch den Bach. Und wenn wir dabei auf die Schnauze flogen, dann heilte das meist von selbst, ohne dass man uns in Sagrotan oder sonstwas badete und sofort wegen jedem Fliegenschiss zum Arzt schleppte oder die Lehrerin vor Gericht verklagte. Wir waren so arm, wir konnten uns nicht mal eine Laktoseintoleranz oder Glutenunverträglichkeit leisten. Geschweige denn einen Doppelnamen wie Jaime Pascal oder Kevin Micol oder Falco Nathan. Unsere Eltern mussten uns noch mit einem normalen Namen kennen. Das ging aber auch, denn sie sahen uns ja auch häufig genug, weil es keine Ganztagesbetreuung in der Schule gab und wir nicht nur zum Abend- -essen und Schlafen zuhause waren. Selbst die Ernährung ihrer Kinder mussten die Eltern noch selbst übernehmen. Da gab es haufenweise Mütter, die das historische Ritual des Kochens noch beherrschten und auch durchführten! Dass wir das alles einigermaßen überstan- -den haben, grenzt schon an ein Wunder. Heute ist das alles zum Glück ja gar nicht mehr vorstellbar! Aber wer so aufwächst, der muss auch zwangsläufig einen Schaden davontragen. Also habt Nachsicht mit mir. :) Lesen und teilen ... wenn ihr möchtet.

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