Die Frau eines Finanzbeamten
geht zum Arzt, um sich einen Rat zu holen, weil ihr Mann furchtbar krank ist. Der Doktor verschreibt ihr einen medizinischen Saft.
"Sie müssen dafür sorgen, dass Ihr Mann den Saft heute Abend nimmt, bevor er ins Bett geht, und dass er dann ordentlich schwitzt."
Sie tut, wie ihr befohlen.
Abends verabreicht sie ihrem Mann die Medizin, dann packt sie ihn richtig dick ein und legt ihn ins Bett. Als sie am nächsten Morgen aufwacht, ist ihr Mann tot. Völlig verzweifelt ruft sie beim Arzt an.
"Herr Doktor, mein Mann ist tot,
was habe ich falsch gemacht?"
Fragt der Arzt: "Was hat Ihr Mann
denn beruflich gemacht?"
Sagt die Frau: "Er war Finanzbeamter."
Antwortet der Arzt: "Das hätten Sie mir sagen sollen. Jeder weiß doch, dass Beamte lieber sterben, bevor sie richtig schwitzen. . ."
Stell dir eine Zeit vor, in der man Menschen mit geistiger Behinderung „Idioten“ nannte und sie in überfüllte, stinkende Anstalten sperrte – geschlagen, vernachlässigt, weggeschlossen, damit man sie nicht sehen musste.
Mitten in dieser viktorianischen Wirklichkeit taucht 1858 ein junger Arzt auf: John Langdon Down. Er übernimmt die Leitung des „Royal Earlswood Asylum for Idiots“ – eines Hauses, das die Aufsichtsbehörde bereits verurteilt hat. In manchen Zimmern schlafen 15 bis 20 Menschen, Krankheiten grassieren, Prügelstrafen sind Alltag.
Down entscheidet: So geht es nicht weiter.
Er wirft brutales Personal raus, schafft körperliche Strafen ab, führt Hygiene, Besteck bei den Mahlzeiten und Belohnung statt Angst ein. Er organisiert Unterricht, Handarbeiten, Beschäftigung – Dinge, die den Bewohnern zum ersten Mal das Gefühl geben, mehr zu sein als „Fälle“. Und er tut etwas damals Radikales: Er fotografiert seine Patientinnen und Patienten, nicht als „Objekte“, sondern als Menschen – gut gekleidet, direkt in die Kamera blickend.
1866 beschreibt er erstmals eine bestimmte Gruppe von Kindern mit rundem Gesicht, kleiner Statur und mandelförmigen Augen – das, was wir heute als Down-Syndrom kennen. Jahrzehnte später ersetzt die Welt nach und nach den rassistischen Begriff „Mongolismus“ durch „Down-Syndrom“ – und ehrt damit nicht nur seine medizinische Beobachtung, sondern auch seinen Einsatz für Würde und Bildung.
Später gründet er in Normansfield ein eigenes Haus, kein „Irrenhaus“, sondern ein Ort für individuelle Förderung – mit Theater, Gartenarbeit, Reiten, Handwerk. Ein Platz, an dem Menschen, die man einst abgeschrieben hatte, auf einer Bühne stehen und gesehen werden.
Heute befindet sich dort das Langdon Down Centre, Sitz des britischen Down-Syndrome-Verbandes. Dass wir Menschen mit Down-Syndrom heute als vollwertige Persönlichkeiten wahrnehmen und nicht als „Idioten“, hat viel mit einem Arzt zu tun, der sich geweigert hat, wegzuschauen – und der als einer der Ersten sagte: Diese Menschen brauchen nicht Isolation, sondern Respekt.