Beim Filmfestival in Venedig wurde der italienische Schauspieler Roberto Benigni mit dem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Doch was diesen Moment besonders berührend machte, war nicht nur der Preis – sondern die Worte, die er auf der Bühne an seine Frau, Nicoletta Braschi, richtete: "In diesem Augenblick möchte ich meine Gedanken Nicoletta widmen, die hier unter uns im Saal sitzt. Seit 40 Jahren gehen wir gemeinsam durch das Leben. Ich kenne nur eine Art, Zeit zu messen: mit dir – oder ohne dich. Diesen geflügelten Löwen teilen wir. Ich nehme den Schweif – um dir meine Freude zu zeigen, mit wedelndem Schwanz. Du bekommst den Rest. Vor allem die Flügel – sie gehören dir. Denn wenn ich in meiner Arbeit je geflogen bin, dann nur durch dich. Durch dein Talent, dein Geheimnis, deinen Zauber, deine Schönheit, deine Weiblichkeit. Das Frau-Sein – ein Geheimnis, das wir Männer nie ganz verstehen. Ich konnte nie so sein wie du, Nicoletta. Wenn mir im Leben etwas Schönes oder Gutes gelungen ist, dann immer durch dein Licht. Unsere Liebe war Liebe auf den ersten Blick – oder besser gesagt: Liebe auf den ewigen Blick." Ihre gemeinsame Reise begann 1983 beim Film "Tu mi turbi" (auf Deutsch: "Du bringst mich durcheinander"), bei dem Roberto Regie führte und Nicoletta zum ersten Mal seine Filmpartnerin wurde. Während der Dreharbeiten tauschten sie Bücher aus – ein Vorwand, wie sich später herausstellte. Roberto erfand kurzerhand, ihm fehle ein bestimmtes Buch, von dem er "gehört" hatte, dass Nicoletta es besitze – nur um sie wiedersehen zu können. Was mit einer Ausrede begann, wurde zu einer unzertrennlichen Verbindung. Gemeinsam besuchten sie fast täglich das Kino oder Theater. Schon bald folgte die Hochzeit – und Nicoletta spielte in nahezu all seinen Filmen mit. Ihre Liebe brachte nicht nur ein erfülltes gemeinsames Leben, sondern auch große Werke hervor: "Das Monster", „Der Tiger und der Schnee“ und natürlich das Oscar-prämierte "Das Leben ist schön".

Anfang der 1960er-Jahre, tief im Herzen des Kongobeckens, wurde ein Schimpanse geboren, der anders war als alle anderen. Man nannte ihn Oliver – und schon früh fiel auf: Er war nicht wie seine Artgenossen. Während andere Schimpansen sich auf allen vieren bewegten, ging Oliver aufrecht. Nicht unsicher, nicht unbeholfen – sein Gang wirkte erstaunlich natürlich, fast menschlich. Es war, als hätte er nie anders gehen wollen. Dazu kamen seine ungewöhnlichen Gesichtszüge: flacheres Gesicht, kleinere Ohren, ein zurückgesetztes Kinn. Nichts an ihm wirkte "typisch Schimpanse". Bald begannen Spekulationen: War Oliver ein Hybrid? Ein Mischwesen aus Mensch und Tier? Diese Gerüchte verstärkten sich, als man bemerkte, dass er keinerlei Interesse an Schimpansinnen zeigte – stattdessen fühlte er sich offensichtlich mehr zu Menschen hingezogen, besonders zu Frauen. Als er in den 1970ern in die USA kam, wurde Oliver zur Sensation. Fernsehauftritte, Wanderzirkusse, Schlagzeilen: "Der fehlende Zwischenschritt der Evolution?" – "Der Affenmensch?" Wissenschaftler wollten es genau wissen. Man unterzog ihn Tests, analysierte Verhalten, isolierte Gene. Das Ergebnis kam erst Jahrzehnte später: Oliver war kein Hybrid. Ein reiner Schimpanse – allerdings mit einer leicht abweichenden Chromosomenanzahl. Vielleicht eine genetische Laune. Vielleicht eine seltene Unterart. Doch der Mythos blieb. Oliver wurde zu einem Symbol für all das, was wir nicht verstehen – für die feine Linie zwischen Mensch und Tier, zwischen Wissen und Fantasie. Er verbrachte seine letzten Jahre in einem Primatenrefugium in Texas. Noch immer aufrecht gehend, still beobachtend, mit einem Blick, der mehr Fragen stellte als beantwortete. Seine Geschichte lebt weiter – als eine der rätselhaftesten Erzählungen der Wissenschaft.

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