Ich ging mit meinem Vater (66) ins Einkaufscenter um neue Schuhe zu kaufen. Durch das Rumlaufen wurden wir hungrig und kamen zu dem Entschluss, etwas essen zu gehen. Ich bemerkte wie mein Vater ein junges Mädchen anstarrte, welches neben ihm saß.
Das Mädchen hatte ihre Haare wie ein Hahnenkamm hochfrisiert und in verschie-
-denen Farben - grün, orange, rot und blau gefärbt. Mein Vater konnte seinen Blick nicht von ihr abwenden.
Das Mädchen bemerkte es und jedes mal wenn sie wieder in seine Richtung schaute fand sie, dass mein Vater sie anstarrte. Als das Mädchen genug davon hatte, fragte sie sarkastisch:
"Was ist dein Problem alter Mann? Hast du niemals was Wildes in deinem Leben gemacht?“
Da ich meinen Vater kenne, schluckte ich schnell den Bissen im Mund hinunter, damit ich nicht bei seiner Antwort daran ersticken würde. Ich wusste, dass er eine gute haben würde.
Mit Würde antwortete er, ohne dem kleinsten Zwinkern eines Augenlids: "Doch! Ich hab mal Drogen genommen und danach einen Pfau gevögelt und jetzt frag ich mich, ob Du meine Tochter bist."
Gerade eben vor dem Supermarkt.
Ein junger Mann nestelt an seinem Fahrrad herum, ich stelle mich daneben.
Ich: »Oh Mann, das sieht ja kompliziert aus.«
Er: »Geht so.«
Ich: »Als Fahrradfahrer sollte man immer das richtige Werkzeug dabei haben.«
Er: »Niemand mag Klugscheißer.«
Ich: »Das sagen alle dummen Menschen.«
Er: »Selber dumm.«
Ich: »Ganz sicher. Ich hätte zum Beispiel auch keine Ahnung, wie man so ein Fahrrad repariert.«
Er: »Ich repariere nichts.«
Ich: »Was machen Sie dann?«
Er: »Wonach sieht's denn aus?«
Ich: »Nach Reparieren, das hat das Fahrrad sicher nötig.«
Er: »Ich repariere nichts, das Schloss klemmt.«
Ich: »Ah, okay. Und die Kette ist ja ziemlich fett, die kriegt man wohl nicht so einfach durch.«
Er: »Nee.«
Ich: »Und das Schloss lässt sich nicht öffnen?«
Er: »Nein, sonst wäre ich ja schon längst weg!«
Ich: »Wie gesagt: Man braucht gutes Werkzeug, das hat mein Opa schon gesagt.«
Er flucht, ich hole eine Tüte Gummibären aus meinen Rucksack.
Ich: »Ein bisschen Stärkung?«
Er: »Nein, Danke.«
Ich: »Dann nicht. Brauchen Sie denn Hilfe bei dem Schloss?«
Er: »Nein, ich kriege das schon hin!«
Ich: »Gutes Werkzeug. Habe ich wohl schon mal gesagt. Mit so einer Fummelei wird das auf Dauer nichts.«
Er: »Hauen Sie einfach ab!«
Ich: »Kein Grund, so unfreundlich zu sein! Ich wollte nur helfen.«
Er: »Kann ich drauf verzichten!«
Ich: »Ja, merke ich auch. Trotzdem würde ich mir gern mal das Schloss ansehen.«
Er: »Warum!?«
Ich: »Weil ich den Schlüssel dafür habe und wissen will, ob er noch passt.«
So schnell, wie der junge Mann laufen konnte, brauchte der gar kein Fahrrad. Und schon gar nicht meines. Einige Dinge kann man mit Freundlichkeit auch viel besser erledigen. Und mein Schloss und meine Kette haben den ersten Belastungstest bestanden.