Linie 13. Montag morgen, 8:07 Uhr
"Fahrscheine bitte!"
Neben mir sitzt eine alte kleine Dame - bestimmt schon über 80 Jahre.
Und während ich in meiner Tasche nach meinem Ticket krame, sitzt sie regungslos da.
"Werte Frau, Ihren Fahrschein bitte!"
Die alte Dame schaut den Kontrolleur an. Sie lächelt.
"Ich habe keinen. Ich fahre gerade zu
meinen beiden Engelchen nach Mülheim.
Schauen sie, ich könnte ihnen jetzt sagen, dass, der Fahrscheinautomat viel zu
kompliziert ist.
Oder vorgeben, ich sei verwirrt. Oder einfach sagen, ich leide an Demenz. Wahrscheinlich würden sie mir glauben. Die Wahrheit ist aber, dass wir Ende des Monats haben. Das Geld hat schlicht nicht ausgereicht für ein Ticket. Da ich die Kleinen aber unbedingt sehen wollte, bin ich das Risiko eingegangen."
Der Kontrolleur ist sichtlich überrascht, ihm fehlen die Worte. "Mir ging es in meinem Leben schon weitaus schlechter", führt die Dame fort, "aber gelogen habe ich nie. Junger Mann, schreiben sie mich ruhig auf."
Sie hält ihm ihren Personalausweis hin. Der Kontrolleur schaut jedoch nicht auf den Ausweis. Er blickt der Dame in die Augen. Holt tief Luft. Und dreht sich um.
Er geht zum Ticketautomaten und öffnet sein eigenes Portmonee. Nach ein paar Sekunden kommt er wieder zurück.
"Ich habe ihnen ein Ticket gekauft - es gilt für vier Fahrten. Damit können sie ihre Enkel diese Woche zweimal sehen."
Die alte Dame Sprachlos … eine gute Geste ist Real in der Welt.
Hier mal etwas zum lachen, warum gibt es keine Handwerker mehr, hier der Grund☺☺
Der Nagel:
Mit welchem Aufwand befestigt die Wirtschaft 1960 und 2020 ein Hausschild ?
Ein Bauherr äußert den Wunsch, ein Hausnum-
mernschild an einen Holzpfahl zu nageln.
1960:
Ein Bauarbeiter nagelt das Schild an, bedankt sich für eine dafür erhaltene
Flasche Bier und geht.. Dauer: 20 Sekunden.
1970:
Bauarbeiter geht zu Polier. Der gestattet das Einschlagen des Nagels und
nimmt wohlwollend die Flasche Bier und eine Leberkässemmel in Empfang.
Dauer: 20 Minuten
1980:
Bauarbeiter geht zu Polier; der zum Bauleiter. Dieser bespricht die Problematik mit dem Bauherrn bei einem Mittagessen, das der Bauherr bezahlt. Dafür verrechnet er dem
Bauherrn nur eine Regiestunde sowie eine Schachtel Nägel. Dauer 2 Stunden.
1990:
Bauleiter holt (nach dem Mittagessen) drei Offerten bei Subunternehmern ein. Vergibt den Auftrag an den Billigstbieter, schlägt 3% Generalunternehmerzuschlag auf und legt dem Bauherrn eine Rechnung + 20% Mwst. Dauer 2 Wochen
2000:
Bauleiter informiert Firmenchef.
Dieser holt fünf Angebote bei Einmanngesell-
schaften ein.
Den Zuschlag bekommt der Billigste,
verrechnet wird der Teuerste plus 7%
Generalunternehmerzuschlag.
Dauer 2 Monate
2020:
Gleiche Prozedur wie 2000, jedoch zusätzlich:
Behördenbescheid, in dem ein statischer Nachweis verlangt wird sowie die Zustimmung des Architekturbeirates. Parallel dazu läuft eine Umweltverträglichkeitsprüfung an. Der Arbeitsvorgang wird in den Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan der Baustelle eingearbeitet.
Sicherheitsfachkräfte werden tätig.
Der Hammer wird CE- zertifiziert, der Nagel aus einer Liste EU- zugelassener Befesti-
gungsmittel ausgewählt. Der Arbeiter wird akademisch unterwiesen, wie der Nagel einzubringen ist. Er muss jedoch vorher noch zum Arbeitsmediziner, der seine geistige und körperliche Eignung für die Tätigkeit “Nagel einschlagen” attestiert. Wenn alles gut geht, die Umweltverträglich-
keitsprüfung positiv ausgeht und die Bedenken des Architekturbeirates abgeschmettert werden können, darf der Nagel eingeschlagen werden. Ein Ziviltechniker beobachtet mit Argusaugen den ordnungsgemäßen Vorgang und siegelt das Abnahmeprotokoll. Nagelstatik und Abnahmeprotokoll fließen in die “Unterlage für spätere Arbeiten” ein. Der Generalunternehmerzuschlag wird auf 30% nachjustiert. Dauer 2 Jahre.
Das Datenblatt des Nagels, der Nachtrag des Planungsbüros werden dann mit den aktualisierten Revisionszeichnungen im Anlagebuch abgelegt...
2022 wie 2020, nur findet man keinen Handwerker mehr, weil die auf den ganzen Sch...keinen Bock mehr haben.....