Der alte Kater hat sich den ganzen Tag geputzt und verlässt in der Dämmerung das Haus. Der junge Kater rennt ihm hinterher und will wissen, wohin er denn gehen wolle. „Ich gehe bumsen, drüben beim Bauern Huber, dort gibt es Katzen." „Nimmst du mich mit?", fragt der junge Kater. „Gut, komm mit. Irgendwann musst du das ja auch lernen", gibt sich der Alte überlegen. Leise schleichen sie zu dem Gehöft, fast auf dem Bauch kriechen sie zu der Scheune. Der Hofhund, ein aufmerksames Tier, entdeckt die beiden und mit lautem Gebell jagt er sie um die Scheune herum. Einmal, zweimal und nach der dritten Umkreisung japst der junge Kater dem Alten zu: „Einmal bumse ich noch mit, aber dann gehe ich wieder nach Hause."
Mit 40 Jahren traf Sterling Davis eine Entscheidung, die sein Leben komplett in eine neue Richtung lenkte. Statt weiter seiner Rap-Karriere hinterherzulaufen, hörte er auf das, was ihn innerlich wirklich bewegte: Er wollte Straßenkatzen helfen.
In Atlanta begann er, herrenlose Katzen von der Straße zu retten, sie versorgen zu lassen, sie kastrieren zu lassen und ihnen die Chance auf ein sicheres Zuhause zu geben. Für Sterling war jede Katze mehr als nur ein weiteres gerettetes Tier. Jedes einzelne Leben zählte.
Doch seine Arbeit hatte noch eine größere Botschaft. Er gründete eine eigene gemeinnützige Organisation, um Vorurteile aufzubrechen und zu zeigen, dass Tierschutz keine bestimmte Hautfarbe, kein bestimmtes Geschlecht und keinen bestimmten Lebensstil braucht. Mitgefühl gehört allen.
Als das Geld knapp wurde, gab Sterling nicht auf. Im Gegenteil: Er verkaufte fast alles, was er besaß, und lebte zeitweise in einem Truck, nur damit er weiterhin Katzen retten konnte, die sonst niemand gesehen hätte.
Sein Einsatz blieb nicht unbemerkt. Später begann eine lokale Organisation, die Operationskosten für viele seiner geretteten Katzen zu übernehmen. Für Sterling war das nicht nur Hilfe, sondern ein Zeichen, dass echte Hingabe andere Menschen anstecken kann.
Seine Musik wartet vielleicht noch auf ihn. Aber viele Katzen, die früher allein, krank oder vergessen auf der Straße lebten, haben durch seine Entscheidung ein neues Leben bekommen. Manchmal schreibt ein Mensch seine wichtigste Geschichte nicht mit einem Mikrofon, sondern mit einem offenen Herzen.