Gehen drei Jäger in den Wald. Sie schließen eine Wette ab: Der es schafft, das größte Tier zu erlegen, gewinnt. Der erste Jäger zieht allein los und kommt nach einer Stunde mit einem prachtvollen Fuchs zurück. „Wo hast du den denn her?" - „Ganz einfach: Ich habe mich vor den Bau gehockt, ich habe gefaucht, dann hat es zurückgefaucht, dann habe ich geschossen - und schon hatte ich ihn." Da zieht der zweite Jäger los. Nach einer Stunde kommt er mit einem stattlichen Bären zurück. „Wie hast du den denn bekommen?" - „Ich habe mich vor die Höhle gestellt, ich habe gebrüllt, es hat zurückgebrüllt, ich habe geschossen, da hatte ich ihn." Der dritte Jäger zieht los- und kommt nicht zurück. Zwei Tage später finden die beiden anderen Jäger ihn im örtlichen Krankenhaus. „Was ist denn passiert?" Antwortet er: „Ich habe eine Höhle gefunden. Ich habe gepfiffen, es hat zurückgepfiffen, also habe ich geschossen - und dann kam der Zug."
Die Mutter, die das Schweigen brach: Susana Trimarco. Als ihre 23-jährige Tochter, María de los Ángeles Verón, am 3. April 2002 in Argentinien spurlos verschwand, traf Susana Trimarco auf eine Mauer der Gleichgültigkeit bei der Polizei. Statt zu warten, wie ihr geraten wurde, traf Susana eine unmögliche Entscheidung: Sie würde selbst zur Jägerin und Ermittlerin.
Sie tauchte direkt in die Unterwelt des Menschenhandels ein, die ihr Kind verschluckt hatte. Verkleidet als Zuhälterin oder Käuferin betrat sie Bordelle in ganz Argentinien, um Informationen zu sammeln. Was sie in diesen dunklen Orten erlebte, war ein Albtraum: traumatisierte Frauen und Mädchen, gefangen in einem Netz aus organisierter Kriminalität und Korruption, das bis in Polizeistationen reichte.
Susana erkannte, dass Marías Schicksal kein Einzelfall war. Sie wurde zur Zuflucht für Überlebende, nahm sie bei sich auf und baute die Fundación María de los Ángeles auf. Diese Stiftung bot Opfern juristische, psychologische und materielle Hilfe an.
Ihre unerbittliche Kampagne, angetrieben von ihrer persönlichen Qual, zwang Argentinien schließlich zur nationalen Auseinandersetzung mit dem Menschenhandel. Dies führte 2008 zur Verabschiedung umfassender Anti-Menschenhandels-Gesetze und 2011 zum Verbot von Anzeigen für sexuelle Dienstleistungen. Diese Gesetze retteten Tausende von Menschen.
Obwohl ein erster Prozess gegen die Entführer ihrer Tochter mit einem schockierenden Freispruch endete, kämpfte Susana weiter, bis 2013 schließlich zehn der Angeklagten verurteilt wurden. Ihre außergewöhnliche Zivilcourage brachte ihr internationale Anerkennung ein.
Mehr als zwei Jahrzehnte später sucht Susana immer noch nach María. Doch ihre Mission ist weit über die persönliche Tragödie hinausgewachsen: Die Liebe einer Mutter wurde zu einer unaufhaltsamen Kraft, die ein ganzes korruptes System erschütterte und Tausenden von Überlebenden eine Stimme und ein Zuhause schenkte.