Ich wurde gebeten, einen Nachmittag auf den Sohn einer Bekannten aufzupassen.
Trotz seines jungen Alters hat er eine ziemlich starke Spielsucht und verbringt vor allem jetzt in den Sommerferien viel Zeit vor dem PC. Sein Vater war ebenfalls abhängig (mittlerweile besteht kein Kontakt mehr), und er war oft alleine, da seine Mama alleinerziehend ist und viel arbeitet.
Gestern habe ich ihn geschnappt und bin trotz seiner Wut und Null-Bock-Einstellung mit ihm losgezogen. Wir waren auf einem Spielplatz beziehungsweise Bolzplatz. Anfangs hatte er gar keinen Bock und wollte nach Hause, aber wir hatten Glück: Eine Gruppe Jungs suchte noch einen Torwart für ihr Fußballspiel.
Ich habe ihn dann gezwungen, es wenigstens zu versuchen.
Ihr hättet ihn sehen sollen! Ich habe ihn da gar nicht mehr wegbekommen. So am Strahlen, am Anfeuern, wie ein Meister hat er fast jeden Ball abgewehrt. Die Jungs haben sich für heute wieder verabredet und er hat mich gefragt, ob ich nicht nochmal mitkommen kann. Er meinte, ich sei die coolste Aufpasserin, die er je hatte.
Es kann manchmal so einfach sein und ich freue mich so für ihn, dass er so schnell Anschluss gefunden hat. Hoffentlich ist das erst der Anfang.
In China gingen über 60 Schüler:innen und Lehrer:innen zwei Kilometer in der prallen Sonne – nicht zur Schule, sondern zur Klinik.
Gekleidet in ihren Schuluniformen, trugen sie Bänke und Bücher – aber nicht für sich selbst. Sie kamen, um einem von ihnen seinen letzten Wunsch zu erfüllen.
Ren Junjie, 16 Jahre alt, im Endstadium eines Non-Hodgkin-Lymphoms, konnte sein Krankenbett nicht mehr verlassen.
Doch er hatte einen Traum: noch einmal mit seinen Klassenkameraden den Schulabschluss zu feiern.
Und so organisierten seine Freunde und Lehrer kurzerhand eine Abschlusszeremonie im Innenhof der Klinik – mit allem, was dazugehört: Reden, Gruppenfoto, stolzen Blicken, Lächeln und Tränen.
Für einen Moment war es, als wäre Junjie wieder auf dem Schulhof – mittendrin, nicht allein.
Am Morgen danach schlief er friedlich ein.
Eine letzte Geste, die zeigt: Echte Freundschaft trägt weiter als jeder Abschied.