An alle meine Freundinnen, die 50 Jahre und älter sind:
Die meisten von uns gehen in die nächste Phase unseres Lebens über. Wir sind in einem Alter, in dem wir Falten, graue Haare und zusätzliche Pfunde sehen. Wir sehen niedliche 25-Jährige und schwelgen in Erinnerungen. Aber wir waren auch 25, so wie sie eines Tages in unserem Alter sein werden. Wir sind nicht mehr diese "Mädchen in Sommerkleidern". Was sie mit ihrer Jugend und Lebensfreude mitbringen, bringen wir mit unserer Weisheit und Erfahrung ein.
Wir haben Familien großgezogen, Haushalte geführt, Rechnungen bezahlt, mit Krankheiten und Traurigkeiten umgegangen und alles andere bewältigt, was das Leben uns auferlegt hat. Einige von uns haben diejenigen verloren, die uns am nächsten und liebsten waren. Wir sind Überlebende. Wir sind stille Kriegerinnen. Wir sind Frauen, wie ein guter Wein oder ein klassisches Auto.
Auch wenn unsere Körper nicht mehr das sind, was sie einmal waren, tragen sie unsere Seelen, unseren Mut und unsere Stärke. Wir werden dieses Kapitel unseres Lebens mit Demut, Anmut und Stolz auf alles, was wir durchgemacht haben, betreten, und wir sollten uns niemals schlecht fühlen, weil wir älter werden. Es ist ein Privileg, das so vielen verwehrt bleibt.
Mein Name ist Sylvia, und ich saß neulich im Wartezimmer vor meinem ersten Termin mit dem neuen Zahnarzt.
An der Wand hing sein Diplom, welches seinen vollen Namen trug.
Plötzlich erinnerte ich mich an einen großen, gut aussehenden, dunkelhaarigen Jungen aus meiner Oberstufenklasse von vor 35 Jahren.
Könnte es sich um denselben Jungen handeln, den ich damals so scharf fand?
Allerdings, als ich ihn sah, habe ich diesen Gedanken sofort begraben. Da stand ein alternder Mann, dessen graue Haare ausgingen, mit tiefen Falten im Gesicht - der viel zu alt war, um mein ehemaliger Klassenkamerad zu sein.
Jedoch, nachdem er meine Zähne durchge-
schaut hatte, fragte ich ihn, ob er auf die Albert-Einstein-Schule gegangen ist.
Völlig überrascht antwortete er:
"Ja. Ich war dort".
"Wann haben Sie Abi gemacht?", frage ich.
"1975. Warum fragen Sie?", war seine Antwort.
"Sie waren in meiner Klasse", sagte ich.
Er schaute mich etwas verwirrt an, und dann hat mich dieser
hässliche,
fast glatzköpfige,
grauhaarige,
zerknitterte,
fettarschige,
alte Kerl gefragt:
"Was haben Sie denn damals unterrichtet?"