Was ist eine Grossmutter ? (aus dem Aufsatz eines 8-jährigen).
Eine Grossmutter ist eine Frau, die keine eigenen Kinder hat, darum liebt sie die Buben und Mädchen anderer Leute. Grossmütter haben nichts zu tun, sie müssen nur da sein.
Wenn sie uns auf einen Spaziergang mitnehmen, gehen sie langsam an schönen Blättern und Raupen vorbei. Sie sagen nie vorwärts, beeile dich, komm endlich. Gewöhnlich sind sie dick, aber um uns die Schuhe zu binden doch nicht zu dick. Sie tragen Brillen und zuweilen können sie sogar die Zähen herausnehmen. Sie können alle Fragen beantworten, wie zum Bespiel: Warum hassen Hunde Katzen? Oder Warum ist der liebe Gott nicht verheiratet? Wenn sie uns vorlesen, überspringen sie nichts und und haben auch nichts dagegen, wenn es immer die gleiche Geschichte ist.
Jedermann sollte versuchen, eine Grossmutter zu haben, besonders solche, die keinen Fernseher haben.
Die Grossmütter sind die einzigen Erwachsenen, die immer Zeit haben.
Knecht Ruprecht
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Von drauß' vom Walde komm ich her, ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr! Allüberall auf den Tannenspitzen sah ich goldene Lichtlein sitzen; und droben aus dem Himmelstor sah mit großen Augen das Christkind hervor, und wie ich strolcht' durch den dichten Tann, da rief's mich mit heller Stimme an: „Knecht Ruprecht", rief es, alter Gesell, hebe die Beine und spute dich schnell! Die Kerzen fangen zu brennen an, das Himmelstor ist aufgetan, Alt' und Junge sollen nun von der Jagd des Lebens einmal ruhn; und morgen flieg ich hinab zur Erden, denn es soll wieder Weihnachten werden!" Ich sprach: „O lieber Herre Christ, meine Reise fast zu Ende ist; ich soll nur noch in diese Stadt, wo's eitel gute Kinder hat." -Hast denn das Säcklein auch bei dir?" Ich sprach: „Das Säcklein, das ist hier, denn Apfel, Nuss und Mandelkern essen fromme Kinder gern!"
Hast denn die Rute auch bei dir?" Ich sprach: „Die Rute, die ist hier, doch für die Kinder nur, die schlechten, die trifft sie auf den Teil, den rechten." Christkindlein sprach: So ist es recht: so geh mit Gott, mein trquer Knecht!" Von drauß vom Walde komm ich her, ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr! Nun sprecht, wie ich's hierinnen find? Sind's gute Kind', sind's böse Kind'?
Theodor Storm