Schon mal von Gertrude Ederle gehört? Sie war nicht nur gut – sie war außergewöhnlich und sprengte alle Erwartungen. Stellen Sie sich das vor: Es ist der 6. August 1926, und die eisigen Gewässer des Ärmelkanals warten darauf, einen weiteren Herausforderer zu verschlingen. Aber Gertrude war nicht irgendeine Schwimmerin. Mit 17 Weltrekorden und drei olympischen Medaillen in ihrer Karriere war sie bereit, das zu schaffen, was viele für eine Frau als unmöglich hielten.
Mit Fett eingerieben, um sich vor Unterkühlung zu schützen, tauchte sie in das 16 Grad kalte Wasser und wusste genau, dass die Chancen gegen sie standen. Die Londoner Buchmacher gaben ihr nur geringe Chancen, aber Gertrude wusste es besser. „Wenn mir jemand sagt, dass ich etwas nicht tun kann, dann tue ich es“, sagte sie einmal.
Mehr als 14 Stunden lang kämpfte sie gegen heftige Winde, hohe Wellen und unaufhörlichen Regen, wobei sie sich im Rhythmus von „Let Me Call You Sweetheart“ bewegte. Als die Nacht hereinbrach, erreichte sie die Küste von Kingsdown, England, und brach den bisherigen Rekord um fast zwei Stunden.
Es dauerte 24 Jahre, bis ein Mann Gertrudes unglaublichen Rekord brach. Sie war nicht nur gut – sie war legendär.
Joerg Kuebelsbeck ist im Oktober 2021 nach einem Abend im Festzelt auf dem Heimweg vom Oktoberfest, als er kurz vor dem U-Bahnhof Schwanthalerhöhe eine Frau am Boden liegen sieht. Nun ist ein solcher Anblick im Umfeld der Wiesn, die Kritiker gerne als "größtes Besäufnis der Welt" bezeichnen, kein seltener Anblick. Und das ist wohl auch der Grund, weshalb die vorbeiströmenden Menschen die darniederliegende Frau ignorieren nicht ahnend, dass sie gerade um ihr Leben ringt.
Nicht so jedoch Joerg Kuebelsbeck. "Ich bin zu ihr hingegangen und habe gehört, wie sie geröchelt hat", erzählt der heute 48-Jährige. "Da war mir klar, dass sie nicht betrunken ist, sondern etwas Ernstes hat." Kuebelsbeck reagiert daraufhin sofort: Er bringt die Frau in Seitenlage, überstreckt ihren Kopf und entdeckt dabei, "dass ihre Zunge nach innen geschlagen war".