Mumtaz Amca und İhsan Teyze waren keine gewöhnlichen Fans – sie waren Herz und Seele von Fenerbahçe. Jahrzehntelang saßen sie nebeneinander im Stadion, Spiel für Spiel, Regen oder Sonne, Sieg oder Niederlage.
Als Mumtaz Amca 2013 verstarb, kam İhsan Teyze weiter alleine – fest entschlossen, ihre gemeinsame Tradition weiterzuführen. Ein leerer Platz neben ihr, aber ein Herz voller Erinnerungen.
2020, nach ihrem Tod – mitten in der Pandemie, als Stadien leer blieben – entschied sich der Verein zu einer der schönsten Gesten, die der Fußball je gesehen hat: Sie stellten Pappfiguren von Mumtaz und İhsan genau auf ihre alten Plätze. Still. Würdevoll. Bewegend.
Auf den Sitzen stand:
„Morgen werden wir unsere İhsan Teyze und unseren Mumtaz Amca sehen – wie bei jedem Spiel. Ihr seid in unseren Herzen. Wir werden euch nie vergessen.“
Fußball ist mehr als Tore, Titel oder Taktik. Es sind die Menschen auf den Rängen, die Liebe, die bleibt – selbst wenn die Stimmen irgendwann verstummen.
Wenn man als Psychiater oder Psychotherapeut abends Nachrichten sieht, ist man regelmäßig irritiert. Da geht es um Kriegshetzer, Terroristen, Mörder, Wirtschaftskriminelle, eiskalte Buchhaltertypen und schamlose Egomanen - und niemand behandelt die. Ja, solche Figuren gelten sogar als völlig normal. Kommen mir dann die Menschen in den Sinn, mit denen ich mich den Tag über beschäftigt habe, rührende Demenzkranke, dünnhäutige Süchtige, hochsensible Schizophrene, erschütternd Depressive und mitreißende Maniker, dann beschleicht mich mitunter ein schlimmer Verdacht: Wir behandeln die Falschen! Unser Problem sind nicht die Verrückten, unser Problem sind die Normalen!
Manfred Lütz aus seinem Buch:
"Wir behandeln die Falschen: Unser Problem sind die Normalen"