Wenn du ein Jahr alt bist, träumst du nur von warmem Milchduft und dem sicheren Arm deiner Mutter. Mit fünf willst du rennen, lachen, spielen – die Welt entdecken mit staunenden Augen und aufgeschlagenen Knien. Mit zehn brauchst du dein Lieblingsspielzeug, Erdbeereis und ein Fahrrad, mit dem du dem Wind davonfährst. Mit fünfzehn willst du gefallen. Du sehnst dich nach Akzeptanz, nach Freundschaften, Partys und stylischer Kleidung – so wie die anderen eben. Mit achtzehn willst du nur eins: Freiheit. Raus aus dem Nest, eigene Entscheidungen treffen, Fehler machen – einfach du sein. Mit zwanzig suchst du die große Liebe. Du glaubst, du weißt, wer du bist. Du träumst vom Happy End, von ewiger Romantik, von „für immer und ewig“. Mit dreißig merkst du: Das Leben ist keine Märchenwelt. Du willst vor allem Ruhe. Dass die Kinder durchschlafen. Dass du nicht alles allein tragen musst. Dass dich der Mensch an deiner Seite wenigstens respektiert. Mit vierzig hoffst du, dass dein Spiegel dich nicht verrät. Du willst funktionieren, für andere da sein – und doch irgendwie bei dir bleiben. Mit fünfzig wird Gesundheit zum größten Wunsch. Dass deine Eltern noch da sind. Dass deine Kinder sich verstehen. Dass dein Herz nicht zu schwer wird. Mit siebzig? Da sehnst du dich manchmal zurück. Zurück ins Kindsein. Zurück zur Mama. Und sei es nur für einen Moment – selbst wenn sie dich wieder ermahnen würde, Schritt für Schritt. Dann wünschst du dir nur noch ein bisschen mehr Zeit. Noch einen Frühling. Noch ein Lächeln. Noch ein Tag. Schmerzen, Falten – sie zählen nicht mehr. Denn so ist das Leben. Jede Phase hat ihren Zauber. Aber keine lässt sich zurückholen. Deshalb: Halte fest, was du hast. Sei dankbar für heute. Solange noch alle da sind. Solange noch Leben ist. Solange noch Zeit bleibt.

Als ein alter Feldherr spürte, dass sein Leben sich dem Ende neigte, rief er seinen treuen Diener zu sich und trug ihm drei letzte Wünsche auf: Erstens, so sagte er, sollten nach seinem Tod ausschließlich die besten Ärzte des Reiches seinen Sarg tragen. Zweitens solle man während des Trauerzugs seine Reichtümer – Gold, Edelsteine, Kostbarkeiten – auf dem Weg verstreuen. Und drittens: Aus seinem Sarg sollten seine leeren Hände herausragen, für alle sichtbar. Der Diener war verwundert und fragte leise: "Was bedeuten diese ungewöhnlichen Bitten?" Der Feldherr sah ihn an – müde, aber mit klarem Blick – und antwortete: "Ich will, dass die besten Ärzte meinen Sarg tragen, um der Welt zu zeigen: Selbst das größte Wissen, selbst die beste Medizin vermag den Tod nicht aufzuhalten. Ich will, dass mein Gold zu Boden fällt – damit die Menschen erkennen, dass all unser Besitz, all unser Streben nach Reichtum, am Ende hier zurückbleibt. Und ich will, dass meine Hände leer aus dem Sarg ragen, damit alle sehen: Selbst ein mächtiger Mann, Herrscher über ein ganzes Reich, geht mit leeren Händen. Ich nehme nichts mit.: Dann schwieg er. Und sein Diener begriff. Das Leben ist zu kurz, um es Dingen zu widmen, die keinen bleibenden Wert haben. Zu kurz, um nur dem Geld oder dem Ansehen hinterherzujagen. Denn was am Ende wirklich zählt, sind nicht Titel, Besitz oder Macht – sondern Liebe, Erinnerungen, Gnade… und die Spuren, die wir im Herzen anderer hinterlassen. Denn niemand von uns hat die Garantie, dass es ein Morgen geben wird.

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