Mein Name ist Sylvia, und ich saß neulich im Wartezimmer vor meinem ersten Termin mit dem neuen Zahnarzt.
An der Wand hing sein Diplom, welches seinen vollen Namen trug.
Plötzlich erinnerte ich mich an einen großen, gut aussehenden, dunkelhaarigen Jungen aus meiner Oberstufenklasse von vor 35 Jahren.
Könnte es sich um denselben Jungen handeln, den ich damals so scharf fand?
Allerdings, als ich ihn sah, habe ich diesen Gedanken sofort begraben. Da stand ein alternder Mann, dessen graue Haare ausgingen, mit tiefen Falten im Gesicht - der viel zu alt war, um mein ehemaliger Klassenkamerad zu sein.
Jedoch, nachdem er meine Zähne durchge-
schaut hatte, fragte ich ihn, ob er auf die Albert-Einstein-Schule gegangen ist.
Völlig überrascht antwortete er:
"Ja. Ich war dort".
"Wann haben Sie Abi gemacht?", frage ich.
"1975. Warum fragen Sie?", war seine Antwort.
"Sie waren in meiner Klasse", sagte ich.
Er schaute mich etwas verwirrt an, und dann hat mich dieser
hässliche,
fast glatzköpfige,
grauhaarige,
zerknitterte,
fettarschige,
alte Kerl gefragt:
"Was haben Sie denn damals unterrichtet?"
Wir beschweren uns ja immer über die Jugend und ihre Aussprache.
Aber vielleicht ist das, was da gesprochen wird, gar keine niedere Sprache - sondern eine höher entwickelte.
Eine, die aus Gründen der besseren Verständlichkeit in allzu lauten Umgebun-
-gen (Bus, Tankstelle, Schulhof) ihre Interpunktion mitpricht.
"Digger" wäre ein Komma, "Alder" ein Punkt ("Diggeralder" folglich ein Semikolon) und "deine Mudder" stünde für das Ausrufezeichen.
Irgendwann werden vielleicht Bücher in dieser Sprache erscheinen, Neuauflagen von Klassikern, inklusive "Es irrt der Mensch Digger solange er strebt Alder" (Goethe), "Gott würfelt nicht deine Mudder" (Einstein), "Sein oder nicht sein Digger das ist hier die Frage Alder" (Shakespeare) und natürlich "Geben Sie Gedankenfreiheit Digger Sire deine Mudder" (Schiller).
Krasse Vorstellung :)