LIEBE KUNDEN, ein paar Klarstellungen, weil jeden Tag die gleichen Fragen:
'WAS IST FRISCH?'
Alles. Das ist eine Metzgerei. Wir verkaufen nichts Altes. Wenn es alt wäre, wäre es im Mülleimer. Nicht in der Auslage.
'IST DAS BIO?'
Was dransteht ist bio. Was nicht dransteht ist nicht bio. Das ist keine Falle. Das ist ein Schild.
'KÖNNEN SIE MIR 250 GRAMM SCHINKEN SCHNEIDEN, ABER NICHT ZU DICK, NICHT ZU DÜNN, UND AUCH NICHT SO ZU DIESEM ENDSTÜCK HIN?"
Ja. Aber Sie müssen akzeptieren dass 'nicht zu dick, nicht zu dünn' mein Ermessen ist. Ich mache das seit 34 Jahren. Mein Ermessen ist präzise. Wenn Sie wollen, dass Sie alle Scheiben nachmessen: Zuhause.
'KÖNNEN SIE MIR DAS HACKFLEISCH FRISCH DURCHDREHEN?'
Ja. Kostet 2 Minuten. In 2 Minuten beschweren sich die 3 Personen hinter Ihnen. Das ist Ihr Problem, nicht meins.
'ICH NEHME DIE ZWEI BRATWÜRSTE, DIE GANZ VORNE':
Die vordersten sind gleich wie die hinteren. Wirklich. Sie liegen seit 20 Minuten in der gleichen Theke. Die sind Zwillinge.
'HABEN SIE AUCH VEGANE WURST?'
Nein. Das ist eine Metzgerei. Wir haben Fleisch. Wir sind stolz drauf. Vegane Wurst gibt's beim Rewe. Ist auch okay. Aber nicht hier.
'GEBEN SIE MIR AUCH EINE WIENER-SCHEIBE FÜR MEINEN HUND?'
Ja. Das haben wir schon immer gemacht. Das machen wir auch weiter. Aber nur wenn der Hund auch mit ist. Nicht als 'für zuhause.' Das ist Regel.
Danke für Ihre Treue!
Fleischerei Obermeier seit 1953
Bleib so, wie Du bist.
Ganz egal, wie Du auch aussiehst ob dick, ob dünn, ob groß, ob klein: Wesentlich ist nicht der Körper, wichtig ist, das Herz allein.
Will man Dich auch noch verbiegen, was natürlich Unrecht ist, stehe treu zu Deinem Ego, sei ganz einfach, der Du bist.
Grade die, die an Dir zerren, haben oftmals keinen Stil, spotten darum über andre, sie zu kränken, ist ihr Ziel.
Draußen war es eine dieser Nächte, in denen die Kälte nicht nur an den Pfoten zieht, sondern bis ins Herz kriecht. Der Schnee lag wie ein dünnes, hartes Tuch über allem, und der Wind machte aus jeder Ecke einen Ort, an dem man nicht bleiben will.
Zwischen alten Brettern und Holzscheiten tauchte sie auf: eine kleine getigerte Katze, viel zu still für ein Tier, das eigentlich fliehen müsste. Sie war nicht neugierig. Nicht frech. Sie war nur müde. Dieses müde, vorsichtige Müdesein, das entsteht, wenn man schon zu oft gelernt hat, dass Rufen nichts bringt.
Jemand fand sie hinter einem Schuppen, dort, wo ein wenig Wärme durch die Ritzen drang. Sie zitterte nicht mehr hektisch, sondern langsam, als hätte ihr Körper beschlossen, Energie zu sparen. Als man die Hand ausstreckte, wich sie nicht zurück. Sie schaute nur kurz hoch, als würde sie prüfen: Gehst du gleich wieder?
Drinnen war es warm. Holz knackte im Ofen, Licht flackerte an den Wänden. Die Katze setzte sich dicht an die Wärmequelle, so nah, dass man Angst bekam, sie könnte sich verbrennen. Aber sie rückte nicht weg. Als wäre Wärme etwas, das man festhalten muss, bevor es wieder verschwindet.
Am nächsten Tag brachte jemand einen alten Kinderpullover. Zu klein für einen Menschen, gerade richtig für ein kleines Wesen, das durch den Winter getragen werden musste. Man schnitt ihn vorsichtig zurecht, nähte ein paar Stiche, machte eine Öffnung, damit es nicht drückt. Als man ihn ihr überzog, blieb sie erst ganz steif stehen. Nicht weil es unangenehm war, sondern weil sie nicht verstand, warum jemand sich Mühe macht, ohne etwas zu verlangen.
Dann passierte etwas, das man nicht vergisst: Sie setzte sich wieder an den Ofen, in diesem grünen, ausgefransten Pulli, und ihr Atem wurde ruhiger. Zum ersten Mal wirkte es, als könnte sie wirklich schlafen. Nicht aus Erschöpfung, sondern aus Sicherheit.
Manchmal zerbricht einen nicht das große Drama, sondern dieser kleine Anblick: Ein Tier, das so lange kalt war, dass es Wärme wie ein Wunder behandelt.
Und man denkt nur: Wenn ein Pullover und ein Platz am Feuer so viel bedeuten können, wie viele hätten gerettet werden können, wenn jemand früher hingesehen hätte.