Ich sitze am Fenster, trinke meinen Morgenkaffee und blicke hinaus. Eigentlich sollte ich den Wald sehen – und den gepflegten Rasen vor unserem Haus.
Doch mein Blick bleibt immer wieder hängen: an langen Reihen von Shirts, Pullovern und dunkler Wäsche, die sich quer durch unseren Gemeinschaftsgarten spannen.
Während alle anderen ihre Balkone oder Trockenräume nutzen, scheint eine Nachbarin das Konzept „Privatbereich“ neu zu interpretieren.
Mitten zwischen Bäumen, Blumen und Kinderspielzeug flattern nun T-Shirts und Longsleeves wie auf einem Second-Hand-Markt im Wind.
Ich habe bereits versucht, das Gespräch zu suchen – höflich, ruhig, verständnisvoll.
Doch statt Einsicht kam nur ein Lächeln – und am nächsten Tag hingen die Leinen wieder.
Warum fällt es manchen so schwer, Rücksicht zu nehmen?
Wir zahlen alle für die Gartenpflege, wollen die Natur genießen – und dann hängt jemand seinen kompletten Kleiderschrank hinein.
Vielleicht bin ich altmodisch. Aber wenn ich aus dem Fenster schaue, möchte ich grüne Wipfel sehen.
Keine Shirts mit Aufdruck.
Nach 20 Jahren Harley-Fahren beschloss ein älterer Mann, dass er schon genug von der Welt gesehen hatte. Er wollte sich irgendwo niederlassen. Also kaufte er sich ein Stück Land in Texas, so weit weg von anderen Menschen wie nur möglich. Den Postboten sah er einmal im Monat, einkaufen fuhr er höchstens alle zwei Monate. Ansonsten gab es nur die Natur – und natürlich seine Harley.
Nach etwa einem Jahr hört er plötzlich ein Klopfen an der Tür. Er öffnet und sieht einen großen, bärtigen Einheimischen.
– Hallo – sagt der Mann – ich bin John, dein Nachbar. Ich wohne etwa zehn Meilen von hier. In zwei Tagen mache ich eine kleine Party. Hättest du Lust zu kommen?
– Klar, nach einem Jahr in dieser Einsamkeit sehne ich mich nach Gesellschaft, sagt der Harleyfahrer.
John verabschiedet sich schon, dreht sich dann aber noch einmal um:
– Hör zu, du bist neu hier, deshalb sollte ich dich warnen: wir trinken dort ziemlich hart.
– Kein Problem, ich bin 20 Jahre Harley gefahren. Ich denke, ich komme damit klar.
John will schon gehen, dreht sich dann aber wieder um:
– Ich sollte dich auch warnen: Es gab noch nie eine Party ohne eine ordentliche Schlägerei.
– Mit 20 Jahren Harley-Erfahrung habe ich wohl gelernt, damit umzugehen.
John nickt, dreht sich ein weiteres Mal um und sagt:
– Und eines noch: diese Partys enden meistens in wilder Sexorgie.
– Ich habe schon Dinge gesehen, von denen man nicht einmal träumt. Nach 20 Jahren auf der Harley und einem Jahr in der Wildnis bin ich mehr als bereit dafür. Ach, John, bevor ich’s vergesse: was soll ich eigentlich anziehen?
Darauf John:
– Zieh an, was du willst. Wir sind sowieso nur wir zwei…