Wusstest du, dass in Homers Odyssee nach zwanzig Jahren der Erste, der Odysseus erkannte, nicht seine Frau, nicht sein Sohn – sondern sein alter Hund war?
Zehn Jahre Krieg um Troja, zehn Jahre Irrfahrt über das Meer. Als Odysseus endlich heim nach Ithaka kehrte, verkleidete er sich als Bettler, um nicht erkannt zu werden – sein eigenes Haus war voller fremder Männer, die um Penelopes Gunst buhlten.
Vor dem Palast, halb im Schlamm, vergessen und krank, lag Argos – sein treuer Hund. Niemand kümmerte sich mehr um ihn. Doch als er seinen Herrn sah, regte sich sein müdes Herz ein letztes Mal: Er hob den Kopf, ließ die Ohren sinken, der Schwanz schlug schwach gegen den Boden – ein stiller Gruß, voller Wiedererkennung.
Und dann, als hätte er nur auf genau diesen Augenblick gewartet, schloss Argos für immer die Augen.
So sieht Treue aus. Unvergesslich. Unverhandelbar. Unendlich.
Ich wurde gebeten, einen Nachmittag auf den Sohn einer Bekannten aufzupassen.
Trotz seines jungen Alters hat er eine ziemlich starke Spielsucht und verbringt vor allem jetzt in den Sommerferien viel Zeit vor dem PC. Sein Vater war ebenfalls abhängig (mittlerweile besteht kein Kontakt mehr), und er war oft alleine, da seine Mama alleinerziehend ist und viel arbeitet.
Gestern habe ich ihn geschnappt und bin trotz seiner Wut und Null-Bock-Einstellung mit ihm losgezogen. Wir waren auf einem Spielplatz beziehungsweise Bolzplatz. Anfangs hatte er gar keinen Bock und wollte nach Hause, aber wir hatten Glück: Eine Gruppe Jungs suchte noch einen Torwart für ihr Fußballspiel.
Ich habe ihn dann gezwungen, es wenigstens zu versuchen.
Ihr hättet ihn sehen sollen! Ich habe ihn da gar nicht mehr wegbekommen. So am Strahlen, am Anfeuern, wie ein Meister hat er fast jeden Ball abgewehrt. Die Jungs haben sich für heute wieder verabredet und er hat mich gefragt, ob ich nicht nochmal mitkommen kann. Er meinte, ich sei die coolste Aufpasserin, die er je hatte.
Es kann manchmal so einfach sein und ich freue mich so für ihn, dass er so schnell Anschluss gefunden hat. Hoffentlich ist das erst der Anfang.
Ray und Jeni Bonell sind seit Jahrzehnten ein Paar – und Eltern von stolzen 16 Kindern, im Alter von etwa 4 bis 29 Jahren. Was für viele kaum vorstellbar ist, ist für sie gelebter Alltag – mit all seinen Höhen, Tiefen und jeder Menge Leben im Haus.
Ray, von Beruf Installateur, spricht offen über das liebevolle Durcheinander, das ihren Familienalltag bestimmt. Und auch Jeni, die früher eigentlich keine Kinder wollte, sagt heute mit Überzeugung: "Jedes einzelne unserer Kinder ist ein Geschenk – ganz eigen, ganz besonders."
Neun Söhne, sieben Töchter – und doch kein Kind wie das andere. Die Bonells machen klar: Hier geht es nicht um Zahlen, sondern um Persönlichkeiten. Um Individualität trotz großer Zahl. Um Liebe, die sich nicht teilt – sondern mit jedem Kind wächst.
Eine Familie, die zeigt: Was zählt, ist nicht, wie viele du hast, sondern wie du mit ihnen lebst.