Ich wurde gebeten, einen Nachmittag auf den Sohn einer Bekannten aufzupassen.
Trotz seines jungen Alters hat er eine ziemlich starke Spielsucht und verbringt vor allem jetzt in den Sommerferien viel Zeit vor dem PC. Sein Vater war ebenfalls abhängig (mittlerweile besteht kein Kontakt mehr), und er war oft alleine, da seine Mama alleinerziehend ist und viel arbeitet.
Gestern habe ich ihn geschnappt und bin trotz seiner Wut und Null-Bock-Einstellung mit ihm losgezogen. Wir waren auf einem Spielplatz beziehungsweise Bolzplatz. Anfangs hatte er gar keinen Bock und wollte nach Hause, aber wir hatten Glück: Eine Gruppe Jungs suchte noch einen Torwart für ihr Fußballspiel.
Ich habe ihn dann gezwungen, es wenigstens zu versuchen.
Ihr hättet ihn sehen sollen! Ich habe ihn da gar nicht mehr wegbekommen. So am Strahlen, am Anfeuern, wie ein Meister hat er fast jeden Ball abgewehrt. Die Jungs haben sich für heute wieder verabredet und er hat mich gefragt, ob ich nicht nochmal mitkommen kann. Er meinte, ich sei die coolste Aufpasserin, die er je hatte.
Es kann manchmal so einfach sein und ich freue mich so für ihn, dass er so schnell Anschluss gefunden hat. Hoffentlich ist das erst der Anfang.
Eine Frau stellt ein altes Foto mit ihrem Hund nach – 11 Jahre später ist er kaum wiederzuerkennen. Nicht nur älter. Ganz anders.
Ducky ist heute 13 Jahre alt. Treu, tapfer – und ein echter Halloween-Fan.
Was ihn besonders macht? Er kann die Farbe wechseln. Kein Witz.
"Als Welpe war er tief dunkel", erzählt Erin Abay, Duckys Besitzerin. "Aber mit einem Jahr wurde sein Fell beige-grau. Ich nannte ihn ‚Ducky mit dem guten Haar‘."
Doch im letzten Sommer änderte sich alles. Ducky hustete anhaltend – der Tierarzt stellte Lungenkrebs im Frühstadium fest. Eine Operation folgte. Tumor raus, Heilung ein Wunder.
"Er war plötzlich wieder wie ein Welpe", sagt Erin. Die Freude kehrte zurück: Ducky posierte weiter für seine legendären Instagram-Halloween-Fotos, sammelte Spenden für Tierheime, kuschelte mit seinen Katzen-Geschwistern.
Doch fünf Monate nach der OP fühlte Erin beim Streicheln einen Knoten. Die Diagnose: Lymphdrüsenkrebs. Wieder Krebs.
"Ich war am Boden zerstört", sagt sie. Aber die Hoffnung blieb: Früherkennung, gute Chancen – Chemotherapie begann sofort. Alle drei Wochen fuhren sie im Morgengrauen fast zwei Stunden zur Klinik. Ducky hatte Angst – ging trotzdem tapfer hinein.
Und dann passierte etwas Seltsames.
Sein Haar – fiel aus. Und wuchs zurück. In einer völlig neuen Farbe.
Aus dem blassen Ducky wurde plötzlich ein Schokobrauner. "Er sieht jetzt aus wie heiße Schokolade", sagt Erin lachend. "Und die Haare sind ganz anders – lockig, drahtig. Fast wie bei einem Menschen."
Mit Shampoo, Spülung und viel Liebe pflegt sie seinen neuen Look.
"Mitten im Chaos, in dieser ganzen Angst rund um die Krankheit, war seine haarige Verwandlung so ein schöner Lichtblick."
Heute gilt Ducky als krebsfrei. Jeden Abend bekommt er ein dünnes Stück Steak – und wenn es zu lange dauert, weint er ungeduldig. "Er ist eine Naturgewalt", sagt Erin.
Sie weiß, wie zerbrechlich Gesundheit ist. Erin selbst lebt mit Mukoviszidose, nimmt seit Jahren an medizinischen Studien teil. Ducky war immer an ihrer Seite – "mein kleiner Fels in der Brandung".
Fast genau ein Jahr nach seiner ersten OP postete sie ein Foto, das alles sagt:
Zwei Seelen, älter geworden, aber voller Leben wie nie zuvor.
"Ich nehme keinen einzigen Moment mit ihm für selbstverständlich", sagt sie.
„Nicht mehr. Nicht nach dem, was wir gemeinsam überstanden haben.“