Als ein alter Feldherr spürte, dass sein Leben sich dem Ende neigte, rief er seinen treuen Diener zu sich und trug ihm drei letzte Wünsche auf: Erstens, so sagte er, sollten nach seinem Tod ausschließlich die besten Ärzte des Reiches seinen Sarg tragen. Zweitens solle man während des Trauerzugs seine Reichtümer – Gold, Edelsteine, Kostbarkeiten – auf dem Weg verstreuen. Und drittens: Aus seinem Sarg sollten seine leeren Hände herausragen, für alle sichtbar. Der Diener war verwundert und fragte leise: "Was bedeuten diese ungewöhnlichen Bitten?" Der Feldherr sah ihn an – müde, aber mit klarem Blick – und antwortete: "Ich will, dass die besten Ärzte meinen Sarg tragen, um der Welt zu zeigen: Selbst das größte Wissen, selbst die beste Medizin vermag den Tod nicht aufzuhalten. Ich will, dass mein Gold zu Boden fällt – damit die Menschen erkennen, dass all unser Besitz, all unser Streben nach Reichtum, am Ende hier zurückbleibt. Und ich will, dass meine Hände leer aus dem Sarg ragen, damit alle sehen: Selbst ein mächtiger Mann, Herrscher über ein ganzes Reich, geht mit leeren Händen. Ich nehme nichts mit.: Dann schwieg er. Und sein Diener begriff. Das Leben ist zu kurz, um es Dingen zu widmen, die keinen bleibenden Wert haben. Zu kurz, um nur dem Geld oder dem Ansehen hinterherzujagen. Denn was am Ende wirklich zählt, sind nicht Titel, Besitz oder Macht – sondern Liebe, Erinnerungen, Gnade… und die Spuren, die wir im Herzen anderer hinterlassen. Denn niemand von uns hat die Garantie, dass es ein Morgen geben wird.

Beim Filmfestival in Venedig wurde der italienische Schauspieler Roberto Benigni mit dem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Doch was diesen Moment besonders berührend machte, war nicht nur der Preis – sondern die Worte, die er auf der Bühne an seine Frau, Nicoletta Braschi, richtete: "In diesem Augenblick möchte ich meine Gedanken Nicoletta widmen, die hier unter uns im Saal sitzt. Seit 40 Jahren gehen wir gemeinsam durch das Leben. Ich kenne nur eine Art, Zeit zu messen: mit dir – oder ohne dich. Diesen geflügelten Löwen teilen wir. Ich nehme den Schweif – um dir meine Freude zu zeigen, mit wedelndem Schwanz. Du bekommst den Rest. Vor allem die Flügel – sie gehören dir. Denn wenn ich in meiner Arbeit je geflogen bin, dann nur durch dich. Durch dein Talent, dein Geheimnis, deinen Zauber, deine Schönheit, deine Weiblichkeit. Das Frau-Sein – ein Geheimnis, das wir Männer nie ganz verstehen. Ich konnte nie so sein wie du, Nicoletta. Wenn mir im Leben etwas Schönes oder Gutes gelungen ist, dann immer durch dein Licht. Unsere Liebe war Liebe auf den ersten Blick – oder besser gesagt: Liebe auf den ewigen Blick." Ihre gemeinsame Reise begann 1983 beim Film "Tu mi turbi" (auf Deutsch: "Du bringst mich durcheinander"), bei dem Roberto Regie führte und Nicoletta zum ersten Mal seine Filmpartnerin wurde. Während der Dreharbeiten tauschten sie Bücher aus – ein Vorwand, wie sich später herausstellte. Roberto erfand kurzerhand, ihm fehle ein bestimmtes Buch, von dem er "gehört" hatte, dass Nicoletta es besitze – nur um sie wiedersehen zu können. Was mit einer Ausrede begann, wurde zu einer unzertrennlichen Verbindung. Gemeinsam besuchten sie fast täglich das Kino oder Theater. Schon bald folgte die Hochzeit – und Nicoletta spielte in nahezu all seinen Filmen mit. Ihre Liebe brachte nicht nur ein erfülltes gemeinsames Leben, sondern auch große Werke hervor: "Das Monster", „Der Tiger und der Schnee“ und natürlich das Oscar-prämierte "Das Leben ist schön".

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