Nach dem überraschenden 2:1-Sieg Japans über Deutschland bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar eroberten die japanischen Fans erneut die Bewunderung der ganzen Welt – nicht nur wegen der Leistung ihrer Nationalmannschaft, sondern auch wegen ihres außergewöhnlichen Verhaltens auf den Rängen.
Anstatt sofort loszuziehen, um den Sieg zu feiern, blieben viele japanische Anhänger im Stadion, um Müll aufzusammeln – auch den, den andere zurückgelassen hatten. Dieses Verhalten war kein Einzelfall, sondern Ausdruck tief verwurzelter kultureller Werte: Sauberkeit, Respekt und Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft.
Sogar bei Spielen, an denen Japan gar nicht beteiligt war, wie dem Eröffnungsspiel zwischen Katar und Ecuador, konnte man japanische Fans sehen, wie sie mit blauen Müllsäcken in der Hand die Sitzplätze reinigten. Ihre stillen Gesten sagten mehr als Worte.
Diese Praxis, die bereits bei Turnieren wie Brasilien 2014 und Russland 2018 internationale Aufmerksamkeit erlangte, ist weit mehr als bloße Höflichkeit – sie verkörpert den japanischen Begriff Omotenashi, eine Tradition des Respekts und der Gastfreundschaft, die keine Grenzen kennt.
Ihre durchdachten Handlungen fanden auch in den Berichten großer Medien wie Al Jazeera Beachtung, die einen Fan zitierte:
„Was für euch etwas Besonderes ist, ist für uns nichts Außergewöhnliches.“
Mumtaz Amca und İhsan Teyze waren keine gewöhnlichen Fans – sie waren Herz und Seele von Fenerbahçe. Jahrzehntelang saßen sie nebeneinander im Stadion, Spiel für Spiel, Regen oder Sonne, Sieg oder Niederlage.
Als Mumtaz Amca 2013 verstarb, kam İhsan Teyze weiter alleine – fest entschlossen, ihre gemeinsame Tradition weiterzuführen. Ein leerer Platz neben ihr, aber ein Herz voller Erinnerungen.
2020, nach ihrem Tod – mitten in der Pandemie, als Stadien leer blieben – entschied sich der Verein zu einer der schönsten Gesten, die der Fußball je gesehen hat: Sie stellten Pappfiguren von Mumtaz und İhsan genau auf ihre alten Plätze. Still. Würdevoll. Bewegend.
Auf den Sitzen stand:
„Morgen werden wir unsere İhsan Teyze und unseren Mumtaz Amca sehen – wie bei jedem Spiel. Ihr seid in unseren Herzen. Wir werden euch nie vergessen.“
Fußball ist mehr als Tore, Titel oder Taktik. Es sind die Menschen auf den Rängen, die Liebe, die bleibt – selbst wenn die Stimmen irgendwann verstummen.