Ich verbrachte zehn Tage in meiner Ferienhütte. Eines Tages kam ein Hund an das Tor meines Zauns, mit einem Halsband, schön und gut genährt – es war sofort klar, dass er Besitzer hat. Ich öffnete das Tor und ging ins Haus. Der Hund kam herein, fand einen Platz neben der Hütte, legte sich hin, seufzte tief und schlief ein.
Nach einiger Zeit wachte er auf, stand auf und ging. Am nächsten Tag kam er wieder und legte sich an die gleiche Stelle. Er schlief etwa eine Stunde und wollte wieder gehen. In der Zwischenzeit schrieb ich eine Nachricht: „Ich frage mich, wem dieser gut gepflegte Hund gehört und ob sie wissen, dass er jeden Tag zu mir kommt, um zu schlafen?“ Ich steckte die Nachricht in das Halsband des Hundes und ließ ihn gehen.
Am nächsten Tag kam der Hund wieder und in seinem Halsband war eine neue Nachricht: „Ich bin die Besitzerin dieses Hundes. Er lebt in einem Haus mit sechs Kindern, von denen zwei jünger als 3 Jahre alt sind. Er kommt zu Ihnen, um etwas Schlaf zu bekommen. Kann ich auch kommen?“
Ich wurde gebeten, einen Nachmittag auf den Sohn einer Bekannten aufzupassen.
Trotz seines jungen Alters hat er eine ziemlich starke Spielsucht und verbringt vor allem jetzt in den Sommerferien viel Zeit vor dem PC. Sein Vater war ebenfalls abhängig (mittlerweile besteht kein Kontakt mehr), und er war oft alleine, da seine Mama alleinerziehend ist und viel arbeitet.
Gestern habe ich ihn geschnappt und bin trotz seiner Wut und Null-Bock-Einstellung mit ihm losgezogen. Wir waren auf einem Spielplatz beziehungsweise Bolzplatz. Anfangs hatte er gar keinen Bock und wollte nach Hause, aber wir hatten Glück: Eine Gruppe Jungs suchte noch einen Torwart für ihr Fußballspiel.
Ich habe ihn dann gezwungen, es wenigstens zu versuchen.
Ihr hättet ihn sehen sollen! Ich habe ihn da gar nicht mehr wegbekommen. So am Strahlen, am Anfeuern, wie ein Meister hat er fast jeden Ball abgewehrt. Die Jungs haben sich für heute wieder verabredet und er hat mich gefragt, ob ich nicht nochmal mitkommen kann. Er meinte, ich sei die coolste Aufpasserin, die er je hatte.
Es kann manchmal so einfach sein und ich freue mich so für ihn, dass er so schnell Anschluss gefunden hat. Hoffentlich ist das erst der Anfang.